Obwohl es manche Leute nicht so recht glauben wollen, taucht der Name Dillingen schon 1192 in Urkunden auf. Geschichtsspezialisten behaupten gar, es wäre im 5. Jahrhundert als Siedlung von streitbaren Kelten gegründet worden. Ein Burgmann "Friedrich von Dillingen" wird 1209 urkundlich erwähnt.
Die Lage des Dorfes Dillingen mit einem kleinen See ist in einer alten Karte eingezeichnet. Es lag zwischen Friedrichsdorfer Bahnhof und Spießwald.
Im 30 jährigen Krieg wird die Ansiedlung verwüstet. Wo noch bis vor einem Jahr im Bahnhof Friedrichsdorf das alte Stellwerk in Richtung Seulberg stand, erhebt sich in Richtung Seulberger Feld zur Autobahn hin der "Dillinger Berg", letzter Hinweis in Gemarkungskarten auf das alte Dillingen.

 

Vom hessischen Landgrafen Friedrich Ludwig Wilhelm wird es 1804 gegründet. Als Siedler holt er sich Bauern und Handwerker aus dem Vogelsberg, Grävenwiesbach, Usingen und Wehrheim. Dillingen soll erst an der Schnepfenburg gebaut werden, was jedoch den Friedrichsdorfer Hugenotten nicht paßt. Sie dringen beim Landgrafen darauf, die Grenze am Wiesenweg entlang zu führen (heute: "Alte Grenzstraße") und haben Erfolg damit.

Abbildung: Das erste Fachwerkhaus in Dillingen -

 

Johann Balthasar Heuser und seine Frau Hedwig beginnen am 4. Mai 1804 mit dem Bau des ersten Hauses in Dillingen. Es entsteht ein schmuckes Fachwerkhaus, in dem heute die Gaststätte "Stadt Friedrichsdorf" ist. Der Landgraf legt selbst den Grundstein, der auch heute noch an der vorderen rechten Hauswand zu sehen ist. Den tragenden Geschoßbalken ziert folgende geschnitzte Inschrift:

"Dieser Bau ist mit Gottes Hilfe gemacht- Joh. Balth. Heuser Bauherr Hedwig geborene Ortwein - Kaspar Hamel - Nikolaus Hamel Zimmermeister anno 1804 - das ist der eine Bau am Ort, der Herr bewahr in fort und fort fuer Feuer und vor Wassers Noth behuet ihn lieber Herr und Gott."

Abbildung: Der Grundstein -

 

Genau gegenüber baut Johannes Roth das zweite Haus. Es ist heute ein Doppelhaus. In der einen Hälfte ist der Bäckerladen unserer Kläre Schneider, und nebenan wohnen die netten Halbigs. Auch dieses Haus ist mit einer Inschrift am Geschoßbalken versehen:

"Wir bauen alle fest, ein leder auf das best und wo wir sollen ewig sein, da ernten wir sehr wenig ein. Wir bauen all nach unserem Sinn fuer uns und unsere Erben. Doch aber wie bald ists geschehen, das wir vergehn und sterben. Ein andrer kommt und wohnt darein doch koennt es ja nicht anders sein Gott thut die Welt so fuehren."

Der gute Haus-Erbauer Roth wird dafür per landgräflichem Decret von der Leibeigenschaft befreit. Darüberhinaus werden ihm 40 Morgen Acker und Wiesen zugeteilt. Im Jahre 1833 wird das zweistöckige Wohnhaus versteigert und geht in den Besitz der Sippe Schneider über.

Abbildung: Das zweite Haus - Klaere's Bäckerladen

 

Sich und andren nuzlich
Die bienenfleißigen Dillinger langen mit gegenseitiger Unterstützung kräftig zu. 1814 zählt man schon 17 Häuser mit je einer Scheune. Der Ort hat 1 Jahr später bereits 115 Einwohner. Die meisten der damals gebauten Häuser stehen heute noch. Unter Putz versteckt liegt manch schönes Fachwerk mit teilweise reichen Schnitzereien.
Aus dieser Zeit stammt auch das heutige Dillinger Wappen. Ein Siegelabdruck auf einer Urkunde stellt in der Mitte einen Bienenkorb dar, der von dem Wahlspruch "Sich und andren nuzlich" umkränzt wird. Nach diesem Leitspruch handeln heute noch alle echten Dillinger.

 

Napoleon - Hopfen - Wassernot
Die drei Dillinger Fölsing, Groh und Brückel fallen 1812 im Napoleonischen Heer im russischen Feldzug. Ein Jahr später prügeln sich 1813 Franzosen und Preußen am Beinhardtshof bei Köppern. Krieg tobt um Dillingen, Friedrichsdorf ist von Russen, Preußen und Franzosen besetzt.
1819 baut ein Mann namens Josef Künstler in Dillingen Hopfen und Tabak an. Beide Versuche fallen über alle Erwartungen gut aus. Es gibt im ersten Jahr eine beträchtliche Hopfenernte und Tabakblätter von 3 Fuß Länge.
1820 genehmigt die Hohe Landesregierung eine Collecte, "da das Ort Dillingen bis itzo kein Schulhaus hat und auch bekanntlich so unvermögend ist, aus eigenen Kräften ein solches anschaffen zu können."
Die arge Wassernot beheben die Siedler mit Unterstützung des Landgrafen, indem sie 1827 mühsam eine Wasserleitung zur Fahrbornquelle unterhalb der Saalburg verlegen. 1866 geht diese Leitung allerdings zu Bruch. Bis 1912 versorgen drei Gemeindepumpen die Bevölkerung mit dem kostbaren Naß. 46 Jahre lang erhält jede Person nur einen Eimer Wasser pro Tag. Erst 1912 bekommen die Dillinger eine Wasserleitung von Köppern her.

 

Schulden und Hypotheken
Die heute im Friedrichsdorfer Heimatmuseum bei Herrn Karl Ebighausen einsehbare älteste Dillinger Dokumentensammlung ist das "Schulden und Hypothökenbuch". 1804 angefangen, ist darin zu lesen, daß die Dillinger bei Gott keine reichen Leute waren. Da stellt selbst der Schultheiß Fölsing für 100 Gulden 8 Äcker zum Unterpfand. Pfiliep Fabricius versetzt gar dem Landgrafen zu Gießen für 998 Gulden sein Haus und Hofreithe. Der arme Teufel hat 5 eheliche Töchter und weitere 5 uneheliche Kinder zu ernähren.
Es entzieht sich der Kenntnis des Chronisten, wieviel Familienmitglieder noch von ihm zu versorgen waren. Ob die Dillinger alle jemals ihre Schulden bezahlen konnten, ist aus diesem Buch nicht ersichtlich. Ziemlich klar ist jedoch, daß die Erben des Johannes Kullmann der hochfürstlichen Durchlaucht, dem Landgrafen zu Gießen, noch 667 Gulden schulden. Auch der Pastor Volberg läßt sich auf ein Pumpgeschäft mit seinem Amtsbruder Desor aus Friedrichsdorf ein.

 

Musterungsliste und Ausweisung
Ein weiteres Uralt-Dokument ist der noch vorhandene "Rekrutierungs- Kanton". Hieraus ist ersichtlich, daß 1822 Heinrich Funk der älteste Dillinger und sein Sohn Weigand taub und hinkend war. In dieser Musterungsliste ist weiter nachzulesen, daß ab 1833 etwa 30 Dillinger nach Nordamerika auswandern. Heuser, Kern, Voigd, Ziegenhain, Kalbfleisch und Fölsing verlassen ihre neue Heimat wohl deshalb, weil sie als Tagelöhner, oder gebrechlicher Ackermann, Schneider, Drexler, Gürtler oder Cometiant kaum das tägliche Brot verdienen.
Die im Tal wohnenden Friedrichsdorfer Hugenotten verwehren ihnen das Niederlassungsrecht. Die Dillinger Sattler Volberg und Roth werden nämlich 1850 von dort ausgewiesen, weil sie es zu nichts gebracht haben und die 92 Gulden Aufnahmegebühr auch nicht bezahlen können.

 

Kirche, Kerb und Glockenstreit
Dillingen wird kirchlich von Köppern mitverwaltet. Tauf-, Geburts- und Heiratsregister sind heute noch komplett vorhanden. Betstunde und Schule werden in einem Raum des zuerst erbauten Hauses abgehalten. Dafür müssen die Einwohner 30 Kreuzer jährlich berappen. Das jetzige Haus Nr. 32 - die Kirche - wird 1820 Schule und Bethaus. Später wird dieses Haus erweitert und bekommt 1858 ein Glockentürmchen mit Uhr. Am 2.6.1859 wird diese Kirche festlich eingeweiht.
Die Dillinger feiern jedoch - nach mündlicher Überlieferung des verstorbenen Gastwirts Fritz Spöhrer an seinen Sohn Fritz Karl - im Hinblick auf diese Einweihung ihre erste Kerb bereits 1826, so daß sie in diesem Jahr zum 153. Mal gefeiert wird ... und dabei bleibt es!

 

1866 werden die bislang hessischen Dillinger durch Gebietsabtretungen der Landgrafschaft Hessen-Homburg zu Preußen.
Eine größere Keilerei um die Kirche gibt es 1879. Die Dillinger hatten sich die eine der zwei Kirchturmglocken von den Friedrichsdorfern gepumpt, die diese jetzt für ihre neuerbaute Schule wiederhaben wollen. Nach äußerst heftigen Auseinandersetzungen rückt man sie schließlich verärgert raus und läßt sich in Sinn/ Oberhessen eine neue Glocke gießen.

Abbildung: Links der Kirche -

 

Fremdenführer und ein Nackter
Die findigen Dillinger arbeiteten früher sogar als Fremdenführer, was ein Artikel im Taunusboten von 1878 beweist:
"In Dillingen nahmen wir uns einen Führer und Träger zum Ausflug in die Wälder mit. Genutzt hat er uns wenig oder nichts. Doch sei der Schuster Thebald, nachdem er durch uns den Weg kennengelernt, Nachfolgern empfohlen".
... und daß die Dorfburschen immer schon gerne einen kräftigen Schluck nahmen, beschreibt der Taunusbote am 2. Juni 1882: "Ein junger Mann von Dillingen, welcher sich am zweiten Pfingsttag in Kirdorf bei der Tanzmusik belustigte und berauschte, begab sich in ein Nebenzimmer, und als man vergeblich auf seine Rückkehr wartete, sah man in dem Zimmer nach und fand weiter nichts als wie die Kleider nebst Uhr des Gesuchten auf dem Tische liegend. Der Bursche war in einem Anfall von Schlafwandel zum Fenster hinausgestiegen.
Erst am folgenden Morgen fand man denselben nach langem vergeblichen Suchen vollständig entkleidet zwischen Kirdorf und Friedrichsdorf auf einem Baum, wo er einen Ast umschlungen hielt, schlafend vor. Man möge sich die Szene des Erwachens und Flüchtens eines Teils der weiblichen Mitsuchenden ausmalen."

 

Dillinger und das Amtsgericht

Mit dem Königlichen Amtsgericht in Homburg hatten die Dillinger "geschäftlich" oft genug zu tun. Dies beweisen die nachstehend geschilderten "Criminalfälle" aus Zeitungen:
Mit Hackebeil und Messer

"Taglöhner Ph. J. Z. von Dillingen ist angeklagt, am 21. November vorigen Jahres (1882) abends gegen 8 Uhr den dortigen Bürgermeister mit der Begehung eines Verbrechens bedroht zu haben. Der Angeklagte geriet an fraglichem Abend mit einem Namens H., welcher seine Kinder geschlagen haben sollte, in Streit, schlug ihm mit dem Stock gar heftig über den Kopf, und wurde dann von dem Geschlagenen blutig geschlagen. Der Angeklagte ergriff hierauf die Defensive, zog sich in seine Wohnung zurück, bewaffnete sich mit einer Axt und einem Messer und erschien abermals auf dem Kampfplatze, der aber bereits geräumt war. Der bis an die Zähne bewaffnete Held schrie demnach die Straße voll, so daß der Bürgermeister (Heinrich Schneider) aus dem Fenster eines Wirtshauses Ruhe gebot und dem Angeklagten aufgab, nach Hause zu gehen. Der jedoch rief: 'Wer mir zu nahe kommt, dem schlage ich den Kopf entzwei und schneide ihm den Hals ab!' Durch die Aussagen des Bürgermeisters wie eines weiteren Zeugen ergibt sich jedoch, daß die Äußerungen im allgemeinen geschah und dieselbe eher dem oder den Gegnern als dem Bürgermeister galt. Das Gericht schickte den Angeklagten dennoch für 5 Tage in Haft."

Die Keilerei ums Kerbetuch

Ein Richter des Kgl. Amtsgerichts Homburg soll einmal gesagt haben: "Was, heute mal eine Verhandlung ohne Dillinger ?" Aber schon wenige Tage später sind die Burschen mit folgendem Fall wieder mit dabei, der ebenfalls im Taunusboten von 1882 nachzulesen ist:
"In heutiger Schöffengerichts- verhandlung stand fast die ganze Dillinger Einwohnerschaft zum theil als Angeklagte, zum theil als Zeugen vor Gericht. Es handelte sich um folgenden Vorfall: Die Dillinger Burschenschaft war sich schon seit der letzten Kerb wegen Ankauf eines Kirmestuches untereinander feindselig. Am 18. September 1881 kam diese Kerbeaffaire in der Nähe der Lochmühle, wo eine blutige Schlägerei zwischen den beiden Parteien stattfand, wobei auch das Messer eine Rolle spielte, zum Austrag. Maurer Michael Büdel, Ortsdiener Friedrich Kalbfleisch, die Weißbinder Wilhelm Schick und Valentin Bernhardt und Lorenz Buhlmann welcher nach England abgereist ist sollen an diesem Tage mehrere Burschen von Dillingen theilweise körperlich misshandelt und mittelst gefährlicher Instrumente verletzt haben.
Im Anfang gewinnt das ganze das Bild, als wenn gerade umgekehrt die Kläger die Hauptschuldigen seien. Durch die vielen Zeugenaussagen ergibt sich zudem ein solches verworrenes Durcheinander des Widerspruchs der Verlogenheit beiderseits, daß nicht konstatiert werden konnte, auf wessen Seite die Schuld lag.


 

Blut floß auf beiden Seiten und ist sogar auch ein Frauenzimmer hieran beteiligt. Das Gericht kann die eigentlich Schuldigen nicht herausfinden und spricht bis auf Wilhelm Schick alle Beteiligten frei. Schick hatte sich der Misshandlung des Gemeinderaths Theodor Bernhardt schuldig gemacht, in dem derselbe letzteren in dem Lokale des Herrn Bürgermeisters mit einem Stock an die Stirne schlug. Sein Einwand, daß er nur seinem Vater welcher mit dem Gemeinderath in Handgemeng gekommen sei Beistand geleistet, wird als unbegründet zurückgewiesen und der Angeklagte zu 14 Tagen Gefängnis verurtheilt. Der vorgefundene Totschläger, Lind- und sonstige Stecken werden eingezogen. Es befinden sich hierunter wahre Prachtexemplare."
Wenige Wochen später wird folgender Fall geschildert:

Abbildung: Kerbeburschen 1975 -

 

Mit Hackebeilchen und Hund
Das Ort Dillingen ist trotz seiner Kleinigkeit dennoch oft der Schauplatz von Skandalgeschichten, welche durch das Nachspiel vor Gericht wohl genügend bekannt sind.
Gestern Abend wieder spielte sich eine derartige Scene ab, welche ganz Dillingen in Aufregung brachte. Der Maurer Philipp Brückel, schon mehrmals und erst kürzlich wegen Verübung grober Exzesse bestraft, kehrte in angetrunkenem Zustande in die elterliche Wohnung zurück und provocirte hier einen Skandal. Erst würgte er seinen Bruder am Halse, vergriff sich an seiner Mutter und zertrümmerte dann mehrere Gegenstände im Zimmer und stellte sich mittelst eines Beiles und begleitet von einem großen Hunde, jedem der sich ihm nahen wollte, zur Wehre.
Auch der Herr Bürgermeister und der Ortsdiener getrauten sich nicht in die Wohnung und wurde namentlich der Bürgermeister noch dazu von dem Wütenden gröblich beschimpft. Gegen 8 Uhr erschien der berittene Gendarm N. und machte der Aufregung und dem Skandal dadurch ein Ende, daß er den Excendenten, welcher nun in der Stube auf der Erde lag und sich schlafend stellte, arretierte und geschlossen (gefesselt), in Begleitung des Ortsdieners ins Amtsgefängnis zu Homburg verbrachte."

Abbildung: Dillinger City - Tatort handgreiflicher Scenen

 

Faßelochse und Nachtwächter
Die Dillinger treten dann 1884 laut Gemeinde-Raths-Protokoll mit den hartnäckigen Hugenotten wegen der Mithilfe des Friedrichsdorfer Gemeindebullen (Faßelochse) in Verbindung. Ihre Kühe sollen auch glücklich sein. Die sturen Hugenotten lehnen jedoch wieder mal ab. In diesem Jahr wird auch der Dillinger Gesangverein Eintracht gegründet.
Die Köpperner - im Volksmund scherzhaft "Wilddiebe" genannt - stellen mit dem Forstwart See einen braven Mann im grünen Rock als Aufseher für die Dillinger Jagd.
1885 wird die heutige Saalburgstraße noch "Aepfelallee" genannt. Der Ofen in der Schule gibt den Geist auf und man findet die Leiche des Gerhardt Borig aus Kirdorf im Dillinger Feld. Die mit dem Auffinden des Toten verbundenen Kosten von 29 Mark und 76 Pfg treibt man per Notar von den Erben ein.
Von dem Königlichen Landrathsamt Homburg wird von der Einführung der Gemeindeeinkommenssteuer abgesehen, weil nur eine Person in der Gemeinde ist, deren jährliches Einkommen über 420 Mark geschätzt wird. Dem Ortsdiener und Nachtwächter Kalbfleisch wird wegen Dienstverfehlungen gekündigt. Sein Nachfolger Karl Schick erhält 68 Mark Jahresgehalt plus Uniformrock, Hose und Mütze.

 

Kaiserfahne und Knast
Der Gemeinderath bewilligt zum Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs zwar 1887 das Geld für die Anschaffung einer neuen Fahne, der Antrag zur Verteilung von Brezeln an die Schulkinder am Geburtstag des Kaisers wird jedoch rigoros abgelehnt. Dem Ortsdiener Karl Schick gewährt man 10 Mark jährlich für das Fangen von Maulwürfen. Eine neue Orgel wird für 2.200 Mark gekauft. Dafür war offensichtlich Geld da.
1888 baut man einen Knast (Gefängnis), der hinter der Kirche gestanden haben muß. Bürgermeister Schneider stellt einen Antrag auf jährliche Pauschale für
Schreibutensilien in Höhe von 15 Mark. Für den Religionsunterricht der Kinder in Friedrichsdorf müssen pro Kind und Jahr 25 Mark bezahlt werden eine für damalige Verhältnisse recht happige Summe.

Abbildung: Knast hinter der Kirche? -

 

Die Rache am Bürgermeister
Ein paar Scherzbolde klauen 1891 dem Bürgermeister, auf den sie wohl sauer sind, den Pflug vom Acker. Im Gemeinderatsprotokoll steht hierüber folgender Beschluß:
"Da die Gemeinde gegenwärtig im Besitz solcher Schlingel ist, welche aus Rachsucht und Unfug zur Verübung solch schändlicher Thatsachen fähig sind, beschließt der Gemeinde Vorstand den in Rede stehenden Pflug auf Kosten der hiesigen Gemeindekasse zu ersetzen."
Außerdem wird zur Aufklärung der ruchlosen That eine Belohnung von 10 Mark ausgesetzt. Ob der Pflug wieder auftauchte, ist nicht herauszufinden.

 

Der Sozialist und die Kneipen
Dem Carl Kratz versagt man 1893 die "Ertheilung der Schankconcession, weil er in Verdacht steht, daß seine Kneipe ein Verkehrslokal und Sammelpunkt der Socialdemokratie werden könne." Der erste Dillinger "Sozi" also. Die Wirtschaft "Zur Linde" besteht zu dieser Zeit (nach einem schriftlichen Hinweis) schon mindestens eineinhalb Jahre, so daß der heutige Wirt Fritz Karl Spöhrer 1991 (wenn nicht gar schon 1982) das 100jährige Bestehen der Wirtschaft feiern kann.
Aus den noch vorhandenen Unterlagen kann man nur entnehmen, daß es 1882 mit Sicherheit schon eine Kneipe gab (siehe "Mit Hackebeil und Messer" ...der Bürgermeister aus dem Fenster eines Wirtshauses Ruhe gebot...). Die Vermutung, daß es sich dabei um die "Linde" handeln könnte, liegt aufgrund weiterer vorhandener Unterlagen sehr nahe. Im Familienbesitz ist die Wirtschaft seit 9. Mai 1897, als man das Gesuch des Wirtes Karl Spöhrer um Ertheilung der Concession genehmigte. Der "Sozi" Kratz erhält dann endlich am 27. April 1897 seine Concession für eine Wirtschaft (heutige "Stadt Friedrichsdorf") mit der Auflage, daß er sein Gewerbe nicht zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit mißbrauchen dürfe.

Abbildung: Rechts: Kneipe des Carl Kratz - "Stadt Friedrichsdorf"

 

Kriminalität und Hebammen
Die Wasserknappheit zwingt den Gemeinderat 1895 zum Erlaß dieser Verordnung:
"Jede Person über 14 Jahre 1 Eimer voll und auf diejenigen unter 14 Jahre 1/2 Eimer, also 2 Kinder 1 Eimer voll."
Wegen ansteigender Criminalität und mehrerer nächtlicher Einbruchsdiebstähle wird der Aufsichtsdienst des Nachtwächters Friedrich Kalbfleisch verlängert. Für 1 Mark pro Nacht unterstützt ihn bei dem schweren Amt sein Sohn Heinrich Karl.
1896 wird der "Wizinalweg" (die heutige Taunusstraße) bis nach Friedrichsdorf für 4.150 Mark hergestellt.
Von der hauptamtlichen Beschäftigung einer Amme in der 197-Seelen-Gemeinde wird abgesehen, da Frau Büttner aus Friedrichsdorf und die Frauen Elisabeth Günther und Sophie Stark aus Köppern ihre Tätigkeit zur Zufriedenheit versehen.

 

Elektrisch Licht und Biersteuer

Im Gemeinderat wird 1899 der Antrag auf Verlegung elektrischen Lichts für die Schule abgeschmettert, "weil die Gemeinde nicht in der Lage sei, einen Pfennig dafür aufzuwenden, da dieselbe an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt ist."
1900 lehnt man zum Glück für die Gerstensaftverehrer die Einführung der Biersteuer ab und redet im Gemeinderat erstmals über die Eingemeindung nach Friedrichsdorf. Die Kinder erhalten schulfrei, weil Lehrer Thiel zu einer militärischen Übung einrückt und man sich keinen Ersatzlehrer leisten kann.

Abbildung: Uralt - Bilddokument: Dillingen um 1900

 

100-Jahr-Feier und Viehzählung

Am 25. September 1904 feiern die Dillinger ihr 100jähriges Bestehen. Eine Marmortafel wird in der Kirche angebracht:
"Zur Erinnerung an die erste Centenarfeier 1804 -1904. Bis hierher hat uns der Herr geholfen."
Dillingen mit seinen 29 Häusern zählt nun 209 Einwohner in 50 Haushaltungen. 5 Knaben und 22 Mädchen besuchen die Schule. 4 Pferde, 18 Kühe, 36 Schweine und gute 100 Stück Federvieh werden bei einer Viehzählung registriert. Die Wasserversorgung wird immer mieser.

 

Eingemeindung und Wahlen
Bei den Friedrichsdorfern fragt man 1905 an, "ob und unter welchen Bedingungen die hiesige Gemeinde bei der dortigen geplanten Wasserleitung Anschluß erhalten könne." Ein Jahr später wird im Gemeinderat wiederum die Zustimmung zur Eingemeindung diskutiert. Man will noch nicht so recht, möchte seine Selbständigkeit behalten.
Für 5 Mark pro Quadratmeter wird 1907 die "Dillinger Heide" (das Gelände zwischen Hoher Weg - Taunusstraße – Saalburgstraße) als "Villengelände" zur Bebauung freigegeben. 1912 läuft die Dienstperiode des Bürgermeisters Heinrich Störkel aus. Letzter Bürgermeister des stolzen Dillinger Völkchens wird Jakob Schneider, der am 16. Juli 1915 im Krieg gegen Frankreich in einem Lazarett in Gent (Belgien) an den Folgen zweier Schußverletzungen stirbt.
Die Reichstagswahlen 1912 bringen folgendes Ergebnis: Partei
Selbständige
Freisinnige
Sozialdemokraten
Centrum 1Stimmen
10
3
32
1

 

Rasselböcke und Äubchen
Und wer nicht weiß, was ein Rasselbock ist, dem sei hier zur Aufklärung folgende Begebenheit erzählt, die sich 1912 in Dillingen zugetragen haben soll und im Taunus-Anzeiger erschien:
"Es gibt immer noch furchtbar naive Menschen, die auf den uralten Trick hereinfallen. Das bewiesen zwei junge Leute, die am Sonntag Abend mit den nötigen Zutreibern auf den Rasselbockfang auszogen und dann, nachdem alle vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt waren, der eine einen ausgestopften Hasenbalg, der andere ein paar Steine als Rasselböcke einbrachten. Sie waren so fest von ihrem Erfolge überzeugt, daß sie eine angebotene größere Geldsumme als zu gering für die gefangenen seltenen Exemplare ausschlugen".
In der Wirtschaft "Zur Linde" sind noch heute Rasselböcke zu besichtigen. Eine weitere seltene Dillinger Spezies, die sogenannten "Äubchen", kann man zeitweise aus einem Loch über der Türfüllung im Gastraum herauslugen sehen. Man muß sich jedoch ziemlich leise dabei verhalten, weil diese Tierlein äußerst scheu sind.

Abbildung: Rasselbockjäger 1978 -

 

Förster Kissel und Hasenheger
Am 13.4.1912 erscheint im Taunus-Anzeiger folgende Anzeige:
"Da mir der Hasenheger Weiß zu Dillingen dieser Tage in meinem alten Revier meinen Hund tot schießen wollte, weil ich ihn nicht kurz genug an der Leine führen täte, erlaube ich mir alle Spaziergänger in der Umgegend darauf aufmerksam zu machen, ihren Hund im Nieder- Erlenbacher Wald ganz kurz an der Leine zu führen, um dem strengen Herrn nicht auf solche Weise in die Hände zu fallen." Kissel, Förster a.D.

 

Wasser und die Völkerschlacht
Am 19. Dezember 1912 tropft ab 1 Uhr mittags in Dillingen aus den "Kranen" das erste Leitungswasser aus Köppern. Das Wasser schmeckt zwar etwas stark nach Teer, ist aber angeblich nicht gesundheitsschädlich. Die Kirchenglocken läuten und der Gesangverein Eintracht lädt zu einer kleinen Dankesfeier ein.
Lehrer Thiel schreibt in die Dorfchronik: "Die Eingemeindungsfrage wurde auch in diesem Jahr wieder angeschnitten. Leider aber blieb sie wieder stecken und die alte Wirtschaft geht weiter."
"Am 18. Oktober 1913", so schreibt der gute Thiel weiter, "fand eine würdige Feier des 100jährigen Gedenkens der Völkerschlacht bei Leipzig statt. Am Abend 7Uhr zogen die Schulkinder unter Vorantritt der Dillinger Kapelle, des Gesangvereins Eintracht und die übrigen Gemeindeglieder mit Fackeln und Lampions von der Schule aus nach der Gemeindewiese (heute Spielplatz am Bornberg). Dort hatten der Lehrer und die Schulkinder einen mächtigen Holzhaufen zum Freudenfeuer aufgetürmt. Beim Nahen des Zuges wurde er in Brand gesetzt und die auflodernden Flammen gaben von dem hochgelegenen Platz weithin in die Lande ein Zeichen, daß in unserem kleinen Dörfchen auch an jenen großen Krieg gedacht wurde."

Abbildung: Kreusgass -

 

Weltkrieg und Eingemeindung
Im Februar 1914 beobachtet man von Dillingen aus erstmals Flugzeuge. Am 1. August 1914 verkünden die Dillinger Kirchenglocken um 6 Uhr die Mobilmachung für den Krieg. 6 Ersatzreservisten rücken ein, um dem Kaiser die Heeresfolge zu leisten. Lehrer Thiel tritt die "Bahnwache" in Friedrichsdorf an.
1915 stellen die Friedrichsdorfer einen Antrag auf die Eingemeindung Dillingens, sie wollen nun das kleine Dörfchen "schlucken". Am 6. Oktober in den Wirren des Krieges kommt das Ende der Selbständigkeit in Form des Zusammenschlußvertrages, der die Dillinger mit Wirkung vom 1. April 1916 zu Bürgern der Stadt Friedrichsdorf mit gleichen Rechten macht. Die offizielle Kabinettsorder vom 22. März 1916 lautet:
"Die Eingemeindung der Landgemeinde Dillingen in den Bezirk der Stadt Friedrichsdorf vom 1. April 1916 wird genehmigt."
Im Spöhrersaal sind 30 kriegsgefangene Russen einquartiert, die im Wald arbeiten müssen. Drei von ihnen büchsen aus, sie werden nie wieder gesehen. Sie hatten ihre Freiheit gewonnen. Die Dillinger hatten ihre "Freiheit" durch die Eingemeindung verloren.

 

Nach der Eingemeindung
Die Dillinger Ereignisse bis zur Neuzeit verschmelzen nun etwas mit Friedrichsdorf. Die folgenden Anekdoten und Ereignisse zeigen jedoch, daß die Dillinger sich bis auf den heutigen Tag ihre "Selbständigkeit" und vor allen Dingen ihren "Nationalstolz" als Bewohner des "5. Stadtteils" bewahrt haben.
Mitten im Ersten Weltkrieg gibt es statt Wasser- mal Petroleummangel. So manche Stube bleibt abends dunkel. Abhilfe bringt dann endlich das elektrische Licht, das im Dezember 1916 installiert wird.
Lehrer Thiel führt die 43. Jugend- kompanie und die Schule wird zwei Monate lang geschlossen, weil das Thermometer Januar/ Februar 24 Grad Minus zeigt.

Abbildung: Kreutzgass' von oben -

 

Orgelpfeifen und Teeraucher
Aus der Kirche werden die kleine Glocke und die Orgelpfeifen auf Verfügung der Kgl. Militärbehörde beschlagnamt und abtransportiert. Von den 261 Dillinger Einwohnern stehen 30 Männer im Felde. Lehrer Thiel beschreibt die Kriegsnot:
"Durch den Plan unserer Feinde uns auszuhungern, hatte die Gemeinde viel auszuhalten. Doch durch die Fürsorge unserer Stadtverwaltung wurde diese Not gemildert. Wie wäre es uns wohl ergangen als Landgemeinde Dillingen?
Die Not war überall und Dörrgemüse und Kohlrüben spielten eine große Rolle in der Ernährung. Trotz Höchstpreise für Obst kostet der 3/l0-Liter-Schoppen Apfelwein 25-35 Pfennig. Kein Tabak mehr, man raucht Nuß, Kastanien und deutschen Tee. Das Bier ist schlecht und kostet 20 Pfg der 7/20-Liter."

 

Gefängnis für die Hühner
Wegen der allgemein angespannten Versorgungslage erläßt der Friedrichsdorfer Bürgermeister Foucar im Taunus-Anzeiger folgende Anordnung:
Die mit der Ablieferung von Eiern im Rückstande befindlichen Hühnerhalter werden nachdrücklichst aufgefordert, in der Ablieferung fortzufahren, da das restlose Aufbringen der Eier im kriegswirtschaftlichen Interesse dringend erforderlich ist. Bei Nichtbefolgung sehe ich mich zu Gegenmaßnahmen gezwungen."
Daraufhin setzt ein Dillinger Witzbold zwei Tage später ein Gedicht in die Zeitung:
"Ich tue Euch kund und zu wissen, daß alle Eier abgezählt werden müssen, das erste, was ein jeder jetzt anzuschaffen hat, das wäre also ein Zählapparat. Das zweite, das kommt gleich hinten dran, das geht Euch, Ihr Gockel und Hühner an. Ich binde es jedem Huhn aufs Gewissen, daß täglich zwei Eier gelegt werden müssen. Das Brüten wird strengstens untersagt, die Possen werden auf später vertagt. Und wenn mal eins brüten wollte und keine zwei Eier legen sollte, so wird es eingesteckt vierzehn Tag, bei Wasser, Brot und sonstiger Plag."

Die Dillinger hatten ihren Humor also noch nicht verloren.

 

Wilddieb und Dorfältester
Am 17.9.1919 findet man folgende Notiz im Taunus-Anzeiger: "Ein Kapitalhirsch wurde in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag von einem Köpperner 'Freischützen' erlegt und in einer Dillinger Wirtschaft abgeliefert, allwo ihn die Gendarmerie gestern Vormittag beschlagnahmte." Dieser Vorgang wird bei einer Gerichtsverhandlung einige Jahre später noch erwähnt werden.
1925 feiert der Dorfälteste, Bäckermeister Friedrich Schneider, (der Vater des z.Zt. ältesten Dillingers Jean Schneider) seinen 8ojährigen Geburtstag. Der gute Bäckermeister Schneider stirbt 1945 kurz vor seinem 100sten. Im Herbst kommt zum ersten Mal eine Dreschmaschine nach Dillingen und im Betsaal der Kirche wird erstmals ein Ofen aufgestellt. Bislang bekamen die Dillinger in der kalten Jahreszeit beim Beten auch kalte Füße.

Abbildung: Im Dillinger Wald -

 

Der Förstermord am Bornberg
Traurige Berühmtheit erlangt Dillingen und der Bornberg im Jahre 1937. Im nahen Wald wird der Jagdaufseher Ernst Hofmann am 16. April morgens um 6.00 Uhr von Wilderern bestialisch ermordet. Die Leiche wird am nächsten Tag unter Reisern versteckt gefunden. Die Fahndung der Mordkommission wird in erster Linie dadurch erschwert, "daß in Köppern und den umliegenden Dörfern viele Leute wohnen, die Wilddieberei sozusagen gewerbsmäßig betreiben." Kriminalrat Nußbaum erklärt der Presse: "Trotzdem nach Lage der besonderen Umstände die Bevölkerung von Kirdorf, Dillingen, Köppern usw. die Einwohner kennt, welche bis in die letzten Tage sich als Wilderer betätigt haben, sind bisher nur spärlich Angaben bei der Mordkommission eingegangen. Es ist nicht zu verstehen, daß trotz der gezeigten Empörung über die grausige Mordtat die Bevölkerung so geringes Verständnis für die Mitarbeit bei der Aufklärung an den Tag legt."
Die Obduktion ergibt, daß der Jagdaufseher Hofmann aus Köppern durch zwei Halsstiche und Verbluten zu Tode kam. Die Polizei stellt in der Umgegend alles auf den Kopf. In Köppern wird die elfköpfige Familie St. verhaftet, gegen 7 weitere Personen laufen Ermittlungen.
Man findet ein ganzes Waffenarsenal. Es werden insgesamt 50 Gewehre aller Kaliber und Pistolen verschiedener Größen gefunden. Der Sitzungssaal des Friedrichsdorfer Rathauses gleicht einem Waffenlager.

 

Das Geständnis
Dann gesteht der 28jährige Köpperner Wilhelm M. den Mord. Am 7. Juni 1937 kommt es vor dem Schwurgericht in Frankfurt zur Verhandlung. Dabei stellt sich jedoch heraus, daß der Mord von Vater und Sohn gemeinsam begangen wurde.

 

Weitere Förstermorde
Dem Vater werden in einem Folgeprozeß weitere Förstermorde angelastet und teilweise auch nachgewiesen. Der alte M. war der "Schrecken des Waldes". Eines seiner Opfer ist auch der Forstmeister Birkenauer, der am 31. Oktober 1917 im Wald in der Nähe Oberhains ermordet aufgefunden wird. Weitere Mordversuche an Förstern sind wegen der vergangenen Zeit nicht mehr exakt nachzuweisen.

 

Das Urteil: 2 mal zum Tode
Die Presse schreibt u.a.: "Es ist heute kaum begreiflich, wie unmittelbar vor den Toren Frankfurts eine ganze Gegend unter dem Terror von Wilddiebsfamilien und ihrer Helfer stand."
Das Schwurgericht kommt dann zur Urteilsverkündung: Der 55jährige Johann Wilhelm M. wird wegen vollendeten Mordes in zwei Fällen 2 mal zum Tode verurteilt. Sein Sohn, der 28jährige Wilhelm M. wird wegen Totschlags, gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Wilderns in besonders schweren Fällen, verbotener Waffenführung und verbotenen Waffenbesitzes zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.

 

Das Geheimnis des Bornbergs
Nach der Verkündung des Urteils ruft der alte M. in den Gerichtssaal: "Justizmord".
In seiner Urteilsbegründung sagt der Vorsitzende unter anderem: "Im Falle Hofmann seien die Feststellungen bis zu einem gewissen Grade lückenhaft, aber in den wesentlichen Punkten doch gelungen. Das Geheimnis, das der Wald der Dillinger Bornberge hütete, sei damit nicht vollständig, aber doch in wesentlichen Teilen enthüllt."

 

Neuzeit und Abschluß
Derart Aufsehenerregendes passierte nach Kenntnis des Chronisten hier oben in Dillingen nicht mehr, und Wilderer wurden in der Umgegend auch nicht erwischt. Über die letzten Einzelheiten der vergangenen 80 Jahre kann dem Interessierten bestimmt der "Strohhut-Jean" und Kerbevater Jean Schneider noch genug erzählen.

Abbildung: Dillinger Senioren - Biedenkapp-Schorsch, Strohhut-Jean, Emil Hill

 

Die wiedererstandene Kerb
Ein bedeutendes Ereignis in jüngster Zeit war wohl die 150. in anderer Form gefeierte Kerb im Jahre 1976 vom 24. - 26. Juli. Ein neu gegründetes Kerbe-Komitee rief in dem Wunschdenken der Unabhängigkeit die "Freie Republik Dillingen" aus und organisierte dieses Fest nach dem Dillinger Wappenspruch "Sich und andren nuzlich" für die "Aktion Sorgenkind". Die bienenfleißigen Dillinger und ihre Gäste erfeierten 12.274,04 DM, die der Aktion Sorgenkind übergeben wurden.

Abbildung: Dillinger Marktplatz -

 

Die Schausteller unter ihrem Boß Dieter Ernst langten kräftig in ihre Spendensäckel und stifteten mit. Keiner der über 100 mit allem Einsatz arbeitenden Aktiven der beiden Dillinger Vereine Gesangverein Eintracht und Wanderclub Immergrün erhielt für seinen harten Kerbedienst auch nur einen roten Heller.
So ist es auch heute noch. Von den Einnahmen der Kerb werden seit 1977 immer 10 Prozent für einen guten Zweck gestiftet, der Rest wird für den in diesem Jahr endlich begonnenen Bau des langersehnten Dillinger Vereinshauses verwendet.

Abbildung: Republik-Logo -

 

Ein kleines Dankeschön
Der Chronist hofft, daß dieses kleine Büchlein einen Einblick in die Geschichte und Geschichtchen Dillingens gegeben hat.

Abbildung: Eckard Zielke - Schutzheiß von Dillingen (in Ruhestand)